Für ihre documenta-Installation „The Parthenon of Books“ sammelt die argentinische Künstlerin Marta Minujín 100.000 einst oder gegenwärtig verbotene Bücher, die im Rahmen der documenta 14 in eine Replik des Parthenons integriert werden sollen. Am Donnerstag hat die documenta-Leitung das Projekt vorgestellt.

The Parthenon of Books geht auf eine ähnliche Installation Minujíns aus dem Jahr 1983 in Buenos Aires zurück. Für die documenta 14 wird das Kunstwerk als eine maßstabsgetreue Replik des Parthenon, des Tempels für die Stadtgöttin Pallas Athena Parthenos auf der Athener Akropolis, erneut errichtet. Es soll ein Zeichen gegen das Verbot von Texten und die Verfolgung ihrer Verfasser setzen. Zum Ende der Ausstellung sollen die Bücher verteilt werden.

Erstellt werden soll die Installation auf dem Kasseler Friedrichsplatz. Also genau dort, wo am 19. Mai 1933 im Zuge der sogenannten „Aktion wider den undeutschen Geist“ rund 2.000 Bücher von den Nazis verbrannt wurden.

Studierende erstellen Entscheidungs-Grundlage

Ein Team von Studierenden der Universität Kassel unter Leitung der Kasseler Germanistin Prof. Dr. Nikola Roßbach und des Gastprofessors Dr. Florian Gassner stellt eine Liste von mehreren zehntausend Werken zusammen, die in verschiedenen Ländern oder Regionen und zu verschiedenen Zeiten verboten waren. „Wir unterstützen dieses spannende Projekt sehr gerne mit unserer Expertise“, freute sich Prof. Roßbach. „Es bietet uns auch einen willkommenen Anlass, uns in den Lehrveranstaltungen dem Thema zu nähern.“ So finden zwei Seminare im laufenden Wintersemester zu verbotener Literatur statt.

Für die Liste fassen die Kasseler Studierenden vorhandene Indizes zusammen, beispielsweise den Index Librorum Prohibitorum der katholischen Kirche aus dem Jahr 1948 (über 5.400 Titel) oder eine Liste der zwischen 1750 und 1848 in Österreich verbotenen Bücher (rund 33.000 Titel), die in einem Projekt der Universität Wien (Prof. Dr. Norbert Bachleitner) erarbeitet wurde. Ergänzt werden diese Verzeichnisse durch eigene Recherchen. Auch den Abgleich der eingesandten Bücher mit der Liste übernehmen die Kasseler Studierenden.

Buchspenden sind möglich bis Mitte Dezember. Informationen dazu gibt es unter http://www.documenta14.de/the_parthenon_of_books/donate/de.