Fast 2000 Gäste kamen zum diesjährigen Festival „Rock am Stück“ nach Fritzlar-Geismar. Zehn Stunden geballten und genreübergeifenden Rock gab es auf die Ohren und in die Gemüter. Neben Headliner Saxon begeisterten auch unbekanntere Formationen.

Die Band mit den wohl jüngsten Mitgliedern des Tages machte um kurz nach 15 Uhr den Anfang. Fallin‘ Out sorgten mit schönem Rock für das Warm-Up des Festivals am Lohrberg. Dass sie zum ersten Mal auf einer großen Bühne standen, verriet Gitarrist Lennart Römer zum Abschluss ihres Auftritts. Etwas härter griffen Pandemic in die Saiten. Die Kasseler Formation spielt absolut hörenswerten Heavy Metal ohne Schnickschnack. Roh und ehrlich überzeugten die Mannen um Sänger Nils Papke, der durch sein Äußeres einem Wikingerstreifen entsprungen schien. Mit Industrial Metal und einer düsteren Atmosphäre punkteten Mind Driller. Die spanischen Verwandlungskünstler begeisterten mit zahlreichen Showeinlagen, harten Gitarrenriffs und wechselnden Gesangsstimmen. Mit ihrer starken Stimme erinnerte Sängerin Estefania Aledo bei manchen Stücken sogar an Evanescence-Frontfrau Amy Lee. Von hart zu soft: Das Kontrastprogramm wurde von Nachwuchstalent Lisanne Koll gemeistert. Mit „Hallelujah“ begeisterte die Sängerin so sehr, dass viele Besucher kurzerhand einstimmten. Leider wurde ihr Auftritt und der spätere ihres Mentors Mike Gerhold aus organisatorischen Gründen stark gekürzt. Zur Halbzeit stand Rockmachine, Kassels Partyband Nummer eins, auf der Bühne am Lohrberg. Mit Rock-Evergreens und jeder Menge gute Laune sorgten „Fichtes Jungs“ sehr schnell für beste Stimmung im Publikum. Obwohl regional sehr bekannt, waren sie zum ersten Mal bei Rock am Stück. Double Crush Sydrome brachten druckvollen Rock auf die Bühne. Songs wie „We die for Rock´n´Roll“ wurden von Frontmann Andy Brings mit vollem Körpereinsatz dargeboten. Dass er sich selbst gerne präsentiert, ist weitläufig bekannt. Bad Boy-Image hin oder her – unschön war allerdings, dass er trotz Ende seines Auftritts eigenmächtig kurze Zeit weiterspielte, die wiederum drohte vom ohnehin gekürzten Auftritt Mike Gerholds abgezogen zu werden. Dieser begeisterte verbliebene 20 Minuten mit Zwölfsaitiger, seiner markanten Stimme und wunderschönen Akustik-Versionen bekannter Songs. Schnell füllten sich die Reihen vor der Bühne.

Vor 36 Jahren wurde Saxon gegründet. Von der Originalbesetzung sind noch Sänger Peter „Biff“ Byford und Gitarrist Paul Quinn dabei. Sie gehören noch lange nicht zum alten Eisen, das bewiesen sie nicht nur in Fritzlar. Saxon verstehen es immer noch, einen unglaublichen Druck zu erzeugen. Laut zelebrierten sie Titel wie Sacrifice, Strangers in the night und Princess in the night und gaben dem Publikum damit genau das, was es erwartete: Puren, kraftvollen Metal mit harten Gitarrenriffs, schnellen Drums und der eingängigen Stimme von Biff. Die Hymne „Crusader“ wurde nicht nur von Fans lautstark mitgesungen. Euphorie machte sich in 2000 Menschen breit, die ihre Helden bis zum letzten Ton feierten.

Der Part des traurigen „Auskehrers“ galt Hard Riot. Auch die Heilbronner überzeugten mit kraftvollem Hardrock und viel Körpereinsatz, leider waren nach dem Headliner allerdings bereits viele Besucher gegangen.

Einen vollen Erfolg konnten die Veranstalter verbuchen, die erneut ein erstklassiges Event auf die Beine gestellt hatten. Der Termin für Rock am Stück 2016 steht bereits. Den 23. Juli sollte man sich unbedingt vormerken.