Vor nicht einmal einem Jahr war Mitch Ryder im vollkommen ausverkauften Theaterstübchen zu Besuch. Gestern begeisterte er zusammen mit seiner Band Engerling im Rahmen der „70th Anniversary Tour“ erneut das Publikum in Kassels „Bluesstübchen“.

Veranstalter Markus Knierim hatte eigentlich vorgesehen, das Theaterstübchen für den Auftritt Mitch Ryders zu bestuhlen, erklärte er während seiner Ansage. Mit Hinblick auf seine Hüftprothesen und die damit verbundenen Anstrengungen entschied sich der amerikanische Musiker jedoch dagegen. Gleiches Recht eben für alle. Das Theaterstübchen wäre sonst wohl auch um einiges voller geworden. Schätzungsweise waren an diesem Donnerstagabend etwa 160 Gäste gekommen, um den Altmeister und seine Berliner Band zu erleben.

Mit dem Griff zum Mikrofon geht es auch schon los mit „Do You Feel Alright“, „Rock’n’ Roll“, gefolgt von „Last Plane Out“ und „Terrorist“. Lässig schlägt Mitch Ryder den Schellenkranz. In den Gesichtern der Fans vor der Bühne liest man Entzücken. Manche von ihnen sind extra angereist, um den Meister zu erleben.
In wenigen Tagen wird Ryder 70. Trotzdem kommt er immer noch auf die Bühne und gibt alles. Zwei Stunden lang. Beseelt gehen die Leute nach dem Konzert heimwärts. Sein aktuelles Album „It’s killing me“ hat er im Tourgepäck. „Vielleicht mein wichtigstes und ganz sicher eines der besten Alben, die ich je gemacht habe“, sagt er über dieses Live-Album.

Seit der „Vacation“-LP und Ryders legendärem „Full Moon“-Auftritt im ARD-Rockpalast sind mittlerweile 36 Jahre vergangen. Jenes alptraumhaft entrückte Konzert in der Essener Grugahalle ist längst zur Legende verklärt. Für Mitch Ryder war es der Beginn seiner Beziehung zu Deutschland, die seitdem nicht abgerissen ist.
Die Popularität in Deutschland kam besonders nach der Jahrtausendwende zur Geltung und hält bis heute an.